DER WEG ZUR LIEBE

Die späte Prosa von Marian Pankowski ist ostentativ greisenhaft, unverhohlen autobiographisch und – mag dies auch sonderbar klingen – auf ihre Art freudig. Der Autor beruft sich konsequent auf ein gewisses, im übrigen selten genutztes Altersprivileg. Dieses Privileg könnte man folgendermaßen umschreiben: Ich muss nichts mehr vortäuschen und erst recht nichts beweisen. Daher hat auch das von ihm beschriebene Altsein etwas Befreiendes und in diesem Sinne Freudiges. Ein alter Schriftsteller – so suggeriert uns Pankowski – ist jemand, der jede Lüge in der Literatur durchschaut hat. Verschreibt er sich dennoch der Fiktion, so nur im steten Bewußtsein um dessen Schwindel. In der Erzählung, die den Auftakt zu Pankowskis neuestem Buch bildet, wird ziemlich viel geflirtet. Ein emeritierter Literaturprofessor, der – wie sollte es anders sein! – den Namen des Autors trägt, verbringt seinen Winterurlaub in Oostende. Dort spürt ihn Henrieta, eine polnische Journalistin auf. Die beiden reden auf sonderbare Weise miteinander, hochliterarischen Mustern folgend, gekünstelt und exzentrisch. Zudem ist Henrieta eine verdächtig scharfsinnige Frau. Sie entpuppt sich nicht nur als wahre Kennerin von Pankowskis Werk, sondern – wie sich am Ende herausstellt – auch als Tochter der einstigen großen Liebe des Protagonisten. Die Leiden des alten Werther? Irgendwie schon, zumal in die Erzählung, von der hier die Rede ist, ein amüsantes Apokryph eingeflochten ist – die nicht authentischen Notizen von der authentischen Reise Goethes von Schlesien nach Krakau und Wieliczka im Herbst des Jahres 1790. Die Prosa von Marian Pankowski war schon immer provozierend und Aufsehen erregend unnachgiebig – die der letzten Jahre übertrifft jedoch alles. Dies gilt vor allem für das gnadenlose, radikal selbstironische Verhältnis des Autors zu sich selbst und dem eigenen Werk. Keinerlei Zusätze, keinerlei Beschönigungen – nichts, was der Sorge um das eigene schriftstellerische Ansehen und eine vielversprechende Zukunft des Werkes zuzurechnen wäre. Ganz im Gegenteil. Vielmehr scheint es, als wollte Pankowski uns weismachen, dass er weder sich noch sein Werk ernst nimmt – zumindest nicht übertrieben ernst.

Dariusz Nowacki

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