KNOCHENGERÜSTINNEN

Die Prosakunst Wojciech Kuczoks hat mittlerweile viele Anhänger gefunden, obwohl jetzt erst sein zweiter Band mit Erzählungen unter dem Titel KnochengerüstInnen erschienen ist. Und das ist auch begründet, denn das Buch weckt sofort Freude am Lesen, es ist vergnüglich und intelligent, und gleicht merkt man: hier gibt’s tolle Literatur. Die Fabeln sind ziemlich verrückt und springen kühn mit der Realität um, aber es schimmert etwas durch sie hindurch, was ich als schelmische Affirmation der Welt bezeichnen möchte. Kuczok will die Welt, die ihn umgibt, attackieren, belästigen, radikal ändern. Menschen und Ereignisse regen seine Phantasie an, provozieren zu trotzigen „Verbesserungen“ am Werk der Schöpfung. Damit verbindet sich eine bedenkliche Rolle der Kindheit, die nicht nur Gegenstand der Seufzer der Helden der Erzählungen ist, sondern zusätzlich eine Methode, mit jeder Unterdrückung fertig zu werden. Dieser Regreß in den Zustand der Infantilität folgt häufig daraus, daß die Figuren Kuczoks in einer Familienwelt leben, die von einer undurchdringlichen Hülle umgeben ist: Kinder werden von Müttern und Großmüttern verhätschelt oder gequält, Männer von ihren Frauen in Würgegriff der Liebkosung gehalten, Frauen von ihren Männern nicht im Arm gehalten. Ein starker Trumpf der Erzählungen Kuczoks sind – schon immer – seine ausgesucht stilistischen Kunstgriffe. Da ist der Dialekt von Podhale, da ist der Jargon von Schulkindern, und daneben die ganze Bandbreite kleinerer umgangssprachlicher Stilarten, urkomische lautmalerische Nachahmungen unterschiedlicher Phänomene, und obendrein eine Handvoll herrlicher Kalauer, bei denen der Autor auf den aufmerksamen Leser rechnet, der einen Sinn für Wortspiele hat. Eines steht auf jeden Fall fest: Kuczoks Werk ist eine nichtalltägliche und erfrischende Erscheinung.

Tomasz Mizerkiewicz