DER LETZTE HAUSMEISTER

Mehr zu Janusz Głowacki Auszug Die künstlerische Vorlage zum neuesten Roman von Janusz Głowacki Der letzte Hausmeister ist Orson Welles Film Citizen Kane. Der Held aus Głowackis neuem Buch heißt John Jefferson Caine – sein Nachname wird also genauso ausgesprochen wie der des Protagonisten im Film. Wie bei Welles ist auch Caine ein Medienmagnat. Doch die Handlung bei Głowacki spielt fast ein Jahrhundert später, so daß Caine die öffentliche Meinung unvergleichlich viel raffinierter manipuliert: Er inszeniert Ereignisse, die seine Fernsehstationen anschließend ausstrahlen. Caine hat als Modedesigner unglaubliche Reichtümer angehäuft, er ist der berühmteste Designer aller Zeiten, Schöpfer von Kultursymbolen. Die Krönung seiner künstlerischen Erfolge jedoch sind Männerunterhosen. Anstelle des Welles´schen Reporters haben wir bei Caine als Führer durch die verrücktgewordene Welt Kuba, den "letzten Hausmeister", den klassischen Helden Głowackis, einen Polen aus Greenpoint. Bei "Citizen Kane" bildet der Tod des Helden die Klammer für dessen Lebensgeschichte. Der letzte Hausmeister beginnt genauso, endet aber ganz anders. Der Abend in dem Restaurant auf dem Broadway, wo sich der Autor Kubas Geschichten anhört, verwandelt sich in eine Naturkatastrophe. Wir wissen nicht genau, ob es ein Hurrikan ist, ein Erdbeben, das Ende der Welt oder vielleicht nur das Ende der westlichen Zivilisation. Im brutalen Symbolismus Głowackis sind Caines Unterhosen genau das, wovon die Massen heute träumen. Ihr Besitz bringt Glück, in jeder Verpackung ist ein Lotterielos versteckt und der Hauptgewinn ist eine ständige Aufenthaltserlaubnis für die USA und – bei einem Gehalt von zweihunderttausend Dollar pro Jahr – die Stelle des Hausmeisters auf Caines Schloß. Mit diesem Konsumentenglück beschenkt das Schicksal Kuba. Es wäre jedoch ein Fehler, in dem Roman nur eine verbitterte Klage über die Primitivität der allgegenwärtigen Kommerzialisierung zu sehen. Das Buch erzählt davon, wie heute das Geld in geistige Bereiche vordringt, die bisher der Kultur vorbehalten waren. Es handelt von einer Kaste, die nach Ruhm und Reichtum giert, und von den Massenmedien als Vorbild noch in den fernsten Winkeln der Welt lanciert wird; von den Erzeugnissen dieser Menschen, deren Verbrauch keiner Anstrengung bedarf; von einem neuen Mechanismus, mit dem Vorbilder für das Verhalten und Aussehen kreiert werden, die für alle erreichbar und in jeder Drogerie und jedem Supermarkt erhältlich sind.

Henryk Dasko

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