DER FORTSCHWIMMENDE GARTEN

Die in dem Band Der fortschwimmende Garten zusammengefaßten Erzählungen von Ida Fink handeln von der Erinnerung an den Holocaust. Die Autorin bedient sich der Bezeichnungen „die erste Zeit“ – vor dem Holocaust, und „die zweite Zeit“ – die Zeit des Holocaust. Diese Unterscheidung ist von großer Bedeutung, da Fink stets die Erfassung des Weltbildes unmittelbar „davor“ anstrebt. Akribisch genau beschreibt sie das, was in den Holocaustgeschichten so selten zum Vorschein kommt – die sinnliche Schönheit der Welt. Beschreibungen eines heiteren Morgens, eines im Nebel versunkenen Obstgartens voller reifer Früchte, eines Schattens über dem Fluß – sie sind ein Versuch, die Schönheit des Daseins festzuhalten. Den Konventionen der Shoa-Literatur zum Trotz hält Fink an Farben, Düften und dem Geschmackssinn fest. Ihre Erzählungen, aus Erinnerungen geschöpft, bilden eine Art autobiographischer Fiktion. Oft treten hier Protagonisten als Zeugen in Erscheinung: Personen, die nach dem Krieg aussagen, Gesprächspartner, die Bruchstücke einer Wahrheit enthüllen, von der sie behaupteten, sie nicht zu kennen.Als Schriftstellerin der ersten Holocaust-Generation schreibt Ida Fink – wie sie selbst sagt – langsam und mühevoll, wobei sie jedoch nicht von ihrem Thema loskommt. Ein Dorf und kleine Städtchen an der Grenze des damaligen Polen und der heutigen Ukraine – das ist die Szenerie der kleinen jüdischen Kriegserzählungen. Ein Marktplatz, Lastwagen mit Gestapoleuten, Verstecke in Scheunen, Kinder, die flugs alles begreifen, bevor sie erschossen werden, „der graue, düstere Fluß“ der todgeweihten Juden.„Die Aktion“ ist ein technischer Fachbegriff, der von den Deutschen für die Ausrottung der Juden benutzt wurde. Ida Fink hebt jedoch gleichzeitig hervor, daß sich dieses Wort vorher ausschließlich auf die Art der Gestaltung von literarischen Texten bezogen hatte. In ihren Werken kommt es bewußt zur Identifizierung dieser Begriffe – die Aktionen der Nazis werden zur Aktion ihrer Erzählungen.

-Kazimiera Szczuka.