MÖGLICHE TRÄUME

Mögliche Träume ist der erste Roman von Jolanta Stefko, die bisher nur als preisgekrönte Dichterin von sich Reden machte. Zum Protagonisten ihres Buches hat die Autorin einen überdurchschnittlich sensiblen und begabten Jungen gemacht, der ohne Vater in einem Milieu aufwächst, das ihm intellektuell nicht gewachsen ist. Beide Umstände verstärken in ihm ein Gefühl der Entfremdung und die zahlreichen Traumata seiner Pubertät. Der Roman hat einen originellen Aufbau, denn er vermischt eine recht traditionelle Erzählweise, die den Helden in verschiedenen Lebenssituationen zeigt (in der Schule, im Kontakt mit Gleichaltrigen, in der Lehre), mit den Aufzeichnungen von Träumen und Wunschträumen voller Phantasie und poetischen Bildern. Diese sind nur indirekt mit der Handlung des Romans verbunden, verraten jedoch viel über den Gemütszustand des Jungen. Jolanta Stefko zeichnet gekonnt das Bild einer Psyche, die aus einem Geflecht noch sehr kindlicher Obsessionen und Reaktionen sowie unerwartet reifer und kritischer Reflexionen über die Welt und die Menschen in seiner Umgebung besteht. Überhaupt nicht zu helfen weiß sich der Held des Buches jedoch in der erotischen Sphäre – dem Bereich der Empfindungen, die sich mal an der Hautoberfläche abspielen, dann wiederum die Seele tief erschüttern. Die ihm hier zugefügten Wunden entscheiden über den Lebensweg, den der Held letztlich wählen wird. Dies ist ein sehr reifes Buch über das Phänomen der Unreife und die Höllenfeuer des Heranreifens.

Jerzy Jarzębski