KAROLINA

Der Protagonist dieses Romans, ein „ewig verspäteter Flaneur“, versunken in Resignation und Einsamkeit, sucht in seiner Erinnerung, in seiner Vorstellung und in seiner Umgebung nach einer Frau namens Karolina. Seit sehr langer Zeit hat er sie nicht mehr gesehen, sie „existierte nur in den Nebeln der Vergangenheit“ und kehrte eines heißen Tages unerwartet zurück zu ihm, genauer gesagt: in seinen sorgenerfüllten, müden Kopf. Karolina hat viele Namen – die fleißige Studentin, die gescheiterte Dichterin, die nicht-verwirklichte Malerin, die unerreichbare Geliebte, die melancholische Bewohnerin Mitteleuropas –, die der Protagonist unermüdlich neu hinzuerfindet. Manchmal lächerlich und sentimental, nicht selten selbstironisch, sucht er jedoch eigentlich sich selbst, sinniert über sein Leben, analysiert seine Gefühle, spinnt weitschweifig die verschiedensten Themen aus. Gleichzeitig tritt er als typischer Essayist auf, der empfindsam und eindrucksvoll von der uns umgebenden Welt berichtet, von ihren Mythen und Stereotypen, von Literatur und Kultur, der ironisch die Realität betrachtet. Karolina, seine Vorbestimmung und Fluch seines leeren Lebens, ist deshalb nicht nur Phantom oder ein Schatten der Erinnerung, sondern auch... ein mit Vorbedacht gewählter Ausgangspunkt für eine vielschichtige Erzählung – ein Spielzeug, das der Protagonist am Ende gelangweilt wegwirft. Er tut dies jedoch anmutig, einfühlsam und mit leichter Trauer, wenn er sagt „du wirst traumlos schlafen“, als verabschiede er eine Teil von sich selbst und kehre gleichzeitig zu seinen Gedanken zurück.