MENSCHEN UND TIERE

"Menschen und Tiere" handelt von einem Ort, an dem Tiere menschliche Namen trugen und Menschen sich tierische Decknamen gaben. Ein solcher Ort war zur Zeit der deutschen Besatzung Polens der Warschauer Zoo. Seine Gründer, Direktor Jan Żabiński und seine Frau Antonina Żabińska geborene Erdman, retteten in dieser Zeit ungefähr 300 Juden aus dem Warschauer Getto das Leben, indem sie sie vorläufig in Tierkäfigen, unterirdischen Tunneln und Schlupflöchern und schließlich in ihrer eigenen Villa auf dem Gelände des Warschauer Zoos versteckten. Der Zoo war nach den deutschen Bombenangriffen im September 1939 und nach der Requirierung der überlebenden Tiere zu einer Schweinemästerei, Fuchsfarm und Kleingartenanlage umfunktioniert worden. Jan und Antonina Żabińska wurden 1965 von der Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern” ausgezeichnet. Die Geschichte der Familie Żabiński wurde von Diane Ackermann in ihrem Buch "Zookeeper's Wife" geschildert, das es auf den 13. Platz der Bestsellerliste der "The New York Times" schaffte. In ihren 1968 erstmals erschienen Memoiren schildert Antonina Żabińska die Zeit zwischen 1939 und 1949, die Zerstörung des Warschauer Zoos, die Versuche zur Rettung der Anlage und schließlich den Wiederaufbau nach dem Krieg. Sie zeichnet ein äußerst interessantes Bild des Besatzungsalltags zweier Menschen, die mehr als einmal dem Tode nah waren und die immer ein Fläschchen mit Zyanid bei sich trugen. Die oben genannten Verdienste der Żabińskis machten nur einen Teil ihrer konspirativen Tätigkeit aus. Das Haus der Familie war ein Treffpunkt des Widerstandes und diente als Versteck für Waffen und Untergrundkämpfer. Jan Żabiński nahm 1944 als Soldat der polnischen Heimatarmee am Warschauer Aufstand teil, wurde verletzt und geriet in deutsche Gefangenschaft. Antonina blieb mit den beiden gemeinsamen Kindern am rechten Weichselufer zurück. Diese letzten Kriegsmonate waren besonders reich an dramatischen Ereignissen: Deutsche SS-Soldaten inszenierten vor den Augen der Mutter die Ermordung ihres Sohnes – ein grausamer Scherz, bei dem der Lieblingshahn des kleinen Ryszard getötet wurde ... Die Memoiren Antonina Żabińskas, die eine ebenso bedeutende Biologin wie ihr Mann und eine Pionierin auf dem Gebiet der Tierpsychologie war, enthalten nicht nur Geschichten über Menschen, sondern auch über Tiere, die geliebten Bewohner ihrer "Arche Noah", wie das Haus der Familie einmal von der dort untergetauchten Rachel Auerbach bezeichnet wurde. Antonina Żabińska verfasste außerdem einige Kinderbücher, in deren Mittelpunkt ihre tierischen Schützlinge stehen.

Marek Zaleski

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