SPIELPLATZ

Spielplatz ist ein zeitgenössischer Gesellschaftsroman mit satirischem Einschlag. Thema sind die Krise der Männlichkeit und die Umkehrung der Rollen in der modernen Familie.
Der Roman hat drei Hauptfiguren. Zwei von ihnen sind Männer, die im Schatten ihrer Ehefrauen – Macherinnen, die an ihrer beruflichen Karriere basteln – stehen. Der dritte Mann ist ein Single und Playboy, ein Held der Medien und notorischer Aufreißer. Auf verschiedene Weise durchleben alle drei eine Krise ihrer männlichen Identität. Letzterer inszeniert, um als Supermann zu gelten, lustige und zugleich klägliche Verführungsschauspiele. Seine Männlichkeit ist immer konstruiert, immer zur Schau gestellt. Die zwei „Männer ihrer Frauen” wiederum erleben die weibliche Dominanz auf unterschiedliche Art. Der eine ist einfach ein geistig beschränkter Versager und freiwilliger Arbeitsloser. Die Betreuung des kleinen Kindes, das Putzen und Kochen sind verantwortungsvolle Aufgaben, die ihn fast schon überfordern. Allerdings sollte er auf keinem Fall nach „Höherem” streben, denn es scheint seine Bestimmung zu sein, das männliche Hausmütterchen zu spielen. Der andere ist ein träger Wissenschaftler, der, obwohl hoch qualifiziert, sich nicht rechtzeitig um seine eigene Karriere gekümmert hat. Er hat sich für ein bequemes Leben an der Seite seiner sehr gut verdienenden Frau entschieden. Nach Jahren des inneren Zwiespalts begreift er jedoch seinen Fehler. Er besinnt sich und findet seinen Platz in der Welt – er wird Schriftsteller.
Kochan moralisiert nicht, ergreift für keinen seiner Helden Partei, spielt geschickt die kulturellen Stereotype durch und ist ein guter Beobachter des gesellschaftlichen Wandels, der in den letzten Jahren stattgefunden hat.

Dariusz Nowacki

AUSZUG

NEUN UHR. UM DIESE UHRZEIT SOLLTE DER MEISTER KOMMEN. Schon fast eine Viertelstunde macht sich Kätzchen in der Wohnung zu schaffen, klopft ab, misst nach. Davon absehen, es gut sein lassen, die Fenster schon fertig haben. Was solls, dass sie schief sind. Wer wird das schon bemerken, wer wird klopfen, um zu sehen, ob darunter Gips oder Hohlräume sind. Na, wer schon? Vater. Ja, Opa Witek wird klopfen, und es sofort bemerken. Aber was geht ihn unsere Wohnung an, soll er sich um seine kümmern. Wir werden hier wohnen. Helenka hat das Geld verdient, ich renoviere. Finger weg! Er, Kätzchen, lebt schließlich nicht, um die Erwartungen seines Vaters zu erfüllen, sondern nur für sich. Er hat sein eigenes Leben. Wegen irgendwelcher Fenster. Soll er sich zanken, wegen einer x-beliebigen Lappalie, Energie verschwenden. Er wird sagen, dass seine Frau es sich abends angeschaut habe und gemeint habe, auf keinen Fall aber ihretwegen. Das ist eine Notlösung, ein Hintertürchen, um das Gesicht zu wahren. So denkt Kätzchen von Punkt neun Uhr bis neun Uhr fünf, neun Uhr zehn. Selbst um neun Uhr fünfzehn ist das noch sein Standpunkt. Er ruft Helenka an. Er sei nicht gekommen, der Meister. Hat er dich vielleicht angerufen? Er hat meine Nummer ja gar nicht. Nein, gib sie ihm nicht. Sprich überhaupt nicht mit ihm. Heb nicht einmal ab, wenn er anruft. Ich erledige das, mit dem werde ich schon fertig. Aber das ist einfacher gesagt als getan. Zumal der Meister nicht kommt. Dafür überkommt Kätzchen Wut, mit steigender Tendenz zwischen neun Uhr sechzehn und zwanzig vor zehn, mit dem Höhepunkt um halb. Was denkt er sich, der Vollidiot. Dieses Ledermännchen. Bildet er sich etwa ein, Helenka und er würden so lange auf ihn warten? Und Helenka allein schon gar nicht. Wo sie Geschäften beschäftigt ist, soll sie ihre wertvolle Zeit mit dem Meister verschwenden? Und das als zahlender Kunde. Immer größerer Hass steigt in ihm hoch, dann, kurz vor zehn, wird dieser allmählich schwächer, klarer und erstarrt. Zum Schluss verhärtet er sich. Warte nur Freundchen, dir werde ich es zeigen, du wirst dein blaues Wunder erleben. Er sieht sich den Auftrag durch, prüft, was er für Paragrafen hat. Ruhig, fast schon fröhlich ist Kätzchen, als es an der Tür klingelt, es ist fünf vor zehn. Habe ich es doch noch pünktlich geschafft, sagt der Meister selbstzufrieden. Und wo ist ihre Frau, ist sie nicht da? Na gut, dann erledigen ich das mit Ihnen. Also, hier habe ich alles vorbereitet, hier die Rechnung, er händigt sie aus. Wir erledigen das, wird alles erledigt, antwortet Kätzchen, er lächelt. Nur halt heute noch nicht. Wieso das? Na ja, es müssen noch ein paar Kleinigkeit verbessert werden. Verbessert werden? Wissen Sie, Herr, Kätzchen schaut auf die Rechnung, auf ihr ein Stempel mit einem Nachnamen, Herr, ja, Adrian, stimmts, von mir aus wäre das sogar okay gewesen. Ich habe es mir tagsüber angesehen, und alles in allem wäre das noch gegangen, ginge es nach mir. Aber meine Frau! Meine Frau, Herr Adrian, hat einen Wutanfall bekommen. Sie kommt um zwei vor neun, schaut es sich an und sagt zu mir, ein Skandal ist das, eine Pfuscherei, so nicht. Sie werden alle Fenster neu einsetzen, hat sie gesagt, oder wir wechseln gleich ganz die Firma, verfällt halt die Anzahlung, da kann man nichts machen. Jemand anderes wird das ordentlich machen. Ich konnte sie gerade noch so beruhigen, Herr Adrian, gib ihnen eine Chance, habe ich gesagt, im Grunde sind das gute Handwerker, sie haben sich bemüht, das muss in der Eile passiert sein, sie kommen noch mal und verbessern das in aller Ruhe. Sie haben Glück gehabt, dass Sie nicht früher gekommen sind. Sie hätte es Ihnen gegeben. Bis fünf nach hat sie gewartet und ist dann gegangen, Sie wären ganz schön unter die Räder gekommen, wenn Sie ihr zufällig über den Weg gelaufen wären. Sie kennen sie nicht, sie sieht nur so aus, aber in Wirklichkeit, Herr Adrian, ist sie ein Taifun. Sie hat ihre eigene Firma, in der Immobilienbranche, die Angestellten kommandiert sie herum, dass sie einem manchmal Leid tun können. Und dazu kennt sie sich noch aus. Rechtsanwältin. Von Verträgen versteht sie was. Sie hat mir gleich gesagt, dass Sie nur der Subunternehmer sind, dass Sie einen Vertrag mit der Firma haben, die die Fenster herstellt. Ist doch so, oder, Herr Adrian? Eben. Sie sagte, wenn irgendetwas nicht in Ordnung sein sollte, werde sie dort zur Geschäftsführung gehen und Sie so in die Pfanne hauen, dass Sie sich vor Schadenersatzforderungen nicht mehr retten können. Die Frau ist rachsüchtig, das können Sie mir glauben. Einmal hat ein Bauunternehmer einem ihrer Kunden einen Bauplan für den Ausbau eines Dachbodens angefertigt, und als etwas nicht stimmte, ist sie vor Gericht gegangen, sie hat Gutachten vorgelegt, dass das Dachgeschoss eingestürzt wäre, sie haben seinen Gewerbeschein eingezogen, ihn aus der Gewerkschaft ausgeschlossen. Sie hat den Mann zerstört. Und Kontakte, die hat sie. Vorläufig nehme ich Sie in Schutz, sollte sie es aber auf Sie abgesehen haben, dann werden Sie in keiner seriösen Firma in Warschau mehr Arbeit bekommen. Mit den Adressen aus dem Computer würde sie Sie überall anschwärzen. Sie würden eine Zeitlang kämpfen, aber das muss ja nicht sein, wozu die Schwierigkeiten. Sie kommen doch aus Płońsk, dort ist Arbeit Mangelware, während es hier einen gesunden, großen Markt gibt. Wozu ein Risiko eingehen? Besser seine Sachen machen, Geld verdienen, reich werden. Und wenn sie erst zufrieden ist, wird sie Sie weiterempfehlen. Sowohl für Fenster als auch für größere Arbeiten. Wozu, glauben Sie, machen wir das wohl. Wir haben ein paar von diesen Mietwohnungen. Und sind gerade dabei weitere Wohnungen zu kaufen. Für uns sind das Peanuts! Er schnippt mit den Fingern. Ich beschäftige mich ausschließlich damit, kümmere mich um die Renovierungen, nehme das Geld in Empfang. Meine Aufgabe ist es, die Arbeiten zu beaufsichtigen. Schließlich geht es doch um Kleinigkeiten. Ja, aber was hilft es, dass es für mich okay ist, wenn sie nicht zufrieden ist. Ich kenne sie, Herr Adrian, wir leben jetzt fünf Jahre zusammen, und in der Zeit habe ich gelernt, dass man besser nachgibt, es so macht, wie sie es will, und dann ist es gut.

Aus dem Polnischen von Andreas Volk