ANTILOPE SUCHT JÄGER

Das Buch Antilope sucht Jäger besteht aus sechs Erzählungen, die das heutige Afrika zum Gegenstand haben. Den Band eröffnet die Erzählung Tod eines Plantagenbesitzers, die einer fiktionalisierten Reportage ähnelt und von einer merkwürdigen afrikanischen Filmproduktionsgesellschaft und deren Stars handelt. Die Erzählsammlung beschließt die spannende Parabel Der Kampfanzug und der Meister. Diese beiden unterschiedlichen Texte sind so etwas wie zwei Pole, zu denen Albińskis Prosa tendiert. Einerseits enthüllt Albiński die konkreten gesellschaftlichen Gegebenheiten, will der ihm zugänglichen Wirklichkeit des heutigen Südafrikas so nahe wie möglich sein, andererseits verallgemeinert Albiński gerne, möchte folglich seine Leser überzeugen, dass das, was sich auf dem Schwarzen Kontinent abspielt, allgemeinmenschliche, unveränderliche Angelegenheiten sind, die es überall gibt. Und so schildert er in der Erzählung Eine neue, unerwartete Karriere sowie in der Titelerzählung die Schicksale zweier weißer Männer, die versuchen, sich in der neuen Republik Südafrika (d.h. nach Aufhebung der Apartheit) zurechtzufinden. Kleinod des ganzen Bandes ist die Erzählung Wer von Ihnen hat einen Völkermord begangen?, die thematisch an die blutigen Stammeskämpfe der jüngsten Gegenwart, wie zum Beispiel zwischen den Tutsi und Hutu in Ruanda, anknüpft. Die Helden sind zwei Ärzte – ein Franzose und seine Frau, eine in Belgien ausgebildete Afrikanerin. Der Text handelt von dem in der Zeit des gegenseitigen Abschlachtens erlittenen Trauma; er zeigt – ebenso wie viele andere Erzählungen Albińskis –, dass der westliche Mensch nur geringe Chancen hat, die afrikanischen Angelegenheiten, geschweige denn die dortigen Konflikte, in ihrem Kern zu erfassen.

-Dariusz Nowacki.