EXTENSA

Extensa ist der vierte Roman des Fantasy-Schriftstellers Jacek Dukaj, der konsequent daran arbeitet, die bestehenden Konventionen der Gattung zu erweitern. Denn dem Autor liegt sehr daran, daß nicht nur Liebhaber des Fantasy-Romans sich mit seinen Werken anfreunden können. Dukaj erzählt von einer Welt aus einer weit entfernten Zukunft, die zur letzten Zufluchtsstätte des Menschen wurde. Anfangs scheint es sich um eine bäuerliche Familiensaga zu handeln, die in melancholischen Farbtönen gehalten ist. Der namenlose Ich-Erzähler, dem wir zunächst als Kind begegnen, wächst in einer Familie von Pferdezüchtern auf, wird erwachsen, führt ein gewöhnliches, beschauliches Leben. Nach und nach entdeckt er jedoch die wahre Situation, in der er und die anderen Bewohner der letzten Oase auf Erden, des sogenannten „Grünen Lands”, sich befinden. Es stellt sich heraus, daß SIE, die Vertreter einer höheren Zivilisation, in deren Augen die Menschen in etwa das sind, was die Ameisen für uns darstellen, sowohl unseren Planeten beherrschen wie auch den ganzen Kosmos. Herrschaftsinstrument der Fremden Wesen über das Weltall ist die „Extensa”, nachdem der Roman benannt ist, ein High-Tech-Produkt, eine Art Substanz, deren theoretische Grundlagen bereits seit langem als sogenannten „Einstein-Rosen-Podolski-Paradox” bekannt sind. Jenes 1935 formulierte Gedankenexperiment geht davon aus, daß Elementarteilchen selbst in einer Entfernung von Hunderten von Lichtjahren aufeinander einwirken können. Dabei werden in Dukajs außerordentlich originellem Roman die wissenschaftlichen (technologischen) Erzählstränge mit den Problemen der alten klassischen Humanistik verwoben. Extensa ist auch eine Erzählung über Loyalität, Aufopferung und dem zutiefst menschlichen Wunsch, ewig und in verschiedenen Welten gleichzeitig zu leben.

Dariusz Nowacki