PARIS LONDON DACHAU

Paris London Dachau ist das verrückte und gefährlich geistreiche Debüt einer jungen Frau – es macht neugierig, reizt manchmal, dann wieder rührt es. Die Protagonistin und zugleich Erzählerin des Romans, Basia Niepołomska, ist jung, ungewöhnlich talentiert, originell und hoffnungslos verliebt – hoffnungslos, weil ohne Gegenliebe. Von ihrem Liebsten verlassen, gibt sie sich der Kontemplation des Verlustes hin, dann wieder stürzt sie sich in einen Strudel von Empfängen und Vernissagen, oder versinkt in prätentiösen Träumereien vom Leben zu zweit. Drotkiewiczs Roman ist nach dem Prinzip freier Assoziationen aus humanistischen Lektüren und Medienrummel aufgebaut. Vorträge und Treffen elitärer studentischer Wissenschaftszirkel, In-Kneipen, Kosmetika, Kleideretiketten und Namen von Modeschöpfern(?), Fernsehprogramme, Lieder von Björk und PJ Harvey, intellektuelle Sprüche – dieses ganze Getümmel, das Basias postkonzeptualistisch-postmodernistische Welt ausfüllt, hat die Autorin als „lance macabre“(?) beschrieben. Im Bewusstseinsstrom der genialen Studentin entdecken wir die Erzählung von der Leere des Lebens in den modernsten Großstadtsalons für Jugendliche und das ewige Dilemma der schöpferischen Frau, die sich nicht entscheiden kann, ob sie Virginia Woolf, oder vielmehr Anais Nin sein soll, und ihr Talent auf dem Altar der romantisch-sexuellen Abhängigkeit niederlegt.
Die wichtigsten Figuren der dargestellten Welt finden wir schon auf dem Umschlag: herausgerissene Herzen, die Wimperntuschenspirale, den Lippenstick „bebe“ und den Titel: Paris London Dachau, der daran erinnert, dass wir, unabhängig von dem Ort, an dem wir uns aufhalten, nicht immer selbst bestimmen können, auf welche Weise wir das Verlassenwerden erleben werden.

Pola Olska

AUSZUG