DIE ZEIT

Piotr Ibrahim Kalwas schreibt eine eigene und persönliche Prosa, ohne auf literarische Moden Rücksicht zu nehmen. In seinen Romanen verbindet er Erinnerungen aus Kindheit und Jugend mit den Beschreibungen seiner Reisen in entlegene und von Touristen selten besuchte Teile Afrikas zu einer frappierenden Erzählung über die Suche nach der eigenen Identität und dem eigenen Platz im Leben. Diese Suche ist gar nicht einfach, denn Kalwas ist ein Outsider, ein anderer, einer, der gegen den Strom des Lebens schwimmt: Vor einigen Jahren trat der Autor, was in Polen nicht häufig passiert, zum Islam über.
Kalwas´ neues Buch erzählt von einer Reise im Raum und in der Zeit. Der Autor zeichnet dort seine Eindrücke von einer Fahrt durch das unwegsame Eritrea auf und konfrontiert diese Wirklichkeit mit den Träumen und Bildern, die in ihm die Lektüre eines Abenteuerromans, dessen Handlung in Eritrea spielte, in seiner Kindheit hervorgerufen hat. Kalwas´ Roman kann manauch als eine Art Meditation über die Zeit selbst lesen. Der Autor entdeckt „Zeitknoten" - Orte, an denen sich die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft miteinander verknüpfen.
Zu den Vorzügen des Buches gehört ein interessantes Bild der muslimischen Welt, das an den Rändern der Haupthandlung gezeichnet wird. Kalwas sieht seine muslimischen Mitbrüder anders als die Medien, in denen die Vorstellung von fanatischen islamistischen Fundamentalisten dominiert. Die Muslime sind für den Autor von Zeit vor allem Menschen mit authentischem und tiefem Glauben, für die sich das Gebet und der Kontakt mit Gott nicht bloß auf die Beteiligung an leeren Ritualen beschränken, wie es im polnischen Katholizismus oft der Fall ist.

Robert Ostaszewski