RUDOLF

Marian Pankowskis Roman Rudolf ist heute bereits ein Kultbuch, das - auch im Kontext der neuen polnischen Schwulenliteratur - zunehmend präsenter wird. Nach den Erfolgen der zuletzt herausgegebenen Romane Lubiewo von Michał Witkowski und Drei Mann in einem Bett, vom Kater ganz zu schweigen von Bartosz Żurawiecki erschien dieses Buch des 1945 nach Brüssel emigrierten Schriftstellers aus dem Jahre 1980 (das bereits ins Französische, Englische und Niederländische übersetzt wurde) in Polen gerade in einer weiteren Neuauflage. Pankowski ist ein Vertreter der „subversiven Literatur", ein Spezialist für marginale, verdrängte und tabuisierte Themen. Rudolf erzählt die Geschichte einer Freundschaft zwischen einem Polen - einem Universitätsprofessor, politischen Emigranten und Überlebenden eines deutschen Konzentrationslagers - und einem etwa gleichaltrigen, in Polen aufgewachsenen Deutschen - einem ehemaligen Wehrmachtssoldaten („Etappenhasen") und Homosexuellen. Diese Freundschaft kommt für beide Protagonisten überraschend, schließlich waren sie einst potentielle Feinde, Menschen die mehr voneinander trennte als nur ihre sexuelle Orientierung. Der an literarischen Anspielungen reiche, ein wenig „gombrowiczeske" Roman von Marian Pankowski besteht zu großen Teilen aus den in einer kühnen, manchmal auch schockierenden Sprache verfassten Briefen der Protagonisten. Er ist eine raffinierte „Apologie der Entheiligung", die Geschichte einer intellektuellen (dies sei betont) Verführung eines Heteros durch einen Kaplan der Religion des Körpers, des Karnevals und des Lachens. Der Autor selbst bezeichnet Rudolf als „ein paradiesisches Märchen für die emanzipierten Kinder Gottes."

Marek Zaleski