PIGMENT

Pigment ist das plastischste Buch von Grzegorz Strumyk. Der Hauptheld ist ein Bildhauer. Er schafft ein monumentales Werk, das ihn an den Rand des Wahnsinns treibt. Davor soll ihn die Malerei bewahren. „Du mußt malen. Nicht zeichnen, nicht bildhauern, denn du siehst eine Gestalt, die du nicht aushältst“, rät ihm sein Freund. Menschen aus Lehm zu formen, Gott zu spielen, das ist eine Last, die er nicht tragen kann. Eines nachts zerstört der Held alle seine Plastiken und berauscht sich daran, in ihren Trümmern zu waten. Er verläßt die Akademie der Schönen Künste und befreit sich so von der Versuchung, „Gott zu sein“. Pigment ist ein Stück psychologischer Prosa, in dem der Autor seine Wahrheit über den Menschen beschreibt. Mittels impressionistischer Variationen, lyrischer Bilder und einer Verdichtung der Emotionen zeichnet der Schriftsteller das Bild eines gescheiterten Menschen, der mit seinem Schicksal ringt. Im von Zufällen zerrissenen Leben des Helden fügt sich nichts zu einem harmonischen Ganzen. Allumfassend ist hier die Unmöglichkeit, sein Lebensziel zu erreichen: die Welt mit Hilfe der Kunst zu erfassen. Die Chance zur Erlösung des Helden, zu seiner Rückkehr in die gesellschaftlichen Strukturen, wird möglicherweise die Farbe, das Pigment.

„Das Buch ist schön, eigenartig, mitreißend, überrascht mit jedem Satz, beunruhigt, man liest es ohne innezuhalten. Man muß zu Pigment nichts hinzufügen; es ist sehr kompakt, wie eine Kugel.“

Olga Tokarczuk