HOMO IDIOTICUS

Die Handlung von Radek Wysockis ausgezeichnetem Romandebüt ist mehr als prekär. Es stehen Kommunalwahlen vor der Tür und eine Gruppe lokaler Politiker möchte den Zoo in ihrer Stadt schließen.Da dies den Wählern gewiss nicht gefallen wird, hecken die Kommunalpolitiker eine Verschwörung aus. Anfangs glauben sie, den versoffenen und völlig degenerierten Zoodirektor mit dem vielsagenden Nachnamen Trog auf ihrer Seite zu haben; er selbst gibt den Verschwörern die Schlüssel. Doch Pustekuchen! Der Direktor hat seinen eigenen Rettungsplan für den Provinz-Zoo: Er will einen Menschen in den Käfig stecken („Vom Aussterben bedrohte Art”). Gerade dieses Exemplar soll das Publikum anziehen. Als Freiwilliger meldet sich ein gewisser Maurycy Tymowski, Doktor der Philosophie und Schriftsteller, den sein Rechtsanwalt mit einer List aus dem Gefängnis herausgeholt hat, wo er für den Mord an seiner Frau seine Strafe absaß. Bei der Rekonstruktion der Handlung habe ich hier zwangsläufig etwas suggeriert, das es im Buch nicht gibt: die realistische Ordnung. Sämtliche Beziehungen zur Wirklichkeit sind durchweg fiktiver Natur und ohne zwingende Logik. Denn in diesem Roman thront über allem der Jux. Die Ereignisse und Helden, die pausenlos grotesken Verformungen unterliegen, werden vom Wirbel des Unsinns herumgeschleudert, wobei das allgegenwärtige Absurde hier aggressiv und obszön daherkommt und der Witz, eine Mischung aus boshafter Gehässigkeit und nicht immer appetitlicher Frivolität ist. Etwas Ähnliches, vergleichbar Originelles und „Verrücktes”, hat es in der polnischen Prosa lange nicht mehr gegeben.Das Buch Human Tuman kreist auf dreihundert Seiten um die größte Banalität, die es zum Thema Mensch wohl zu sagen gibt. Nämlich, dass er nicht ganz zu Recht den Namen Homo sapiens trägt, dass er seit Urzeiten auf Schritt und Tritt dem lateinischen Adjektiv in seiner (unserer) Gattungsbezeichnung Hohn spricht. Wysocki hat das vorzüglich dargestellt, mit der ganzen Grausamkeit und der beißenden Häme, die ihm zu Gebote stand.

Dariusz Nowacki