Świat Książki
Warsaw 2007
130 × 210
240 pages
hardcover
ISBN: 978-83-247-0558-0
Translation rights: Bertelsmann Media

Eustachy Rylski

Die Insel


Auszug

Die Stärke und die Zierde von Rylskis Schaffen liegt bekanntlich in der Gestaltung der Haupthelden (wenngleich es auch den Nebenfiguren an nichts mangelt). In allen vier Erzählungen des Bandes "Die Insel" finden wir untadelige Beispiele dafür. Wir begegnen gewöhnlichen wie außergewöhnlichen Gestalten: einem unglücklichen Buchhalter, einem sterbenden Großschriftsteller in der Emigration, der entfernt an Gombrowicz erinnert, einem Provinz-Gänschen, sowie einem Opfer einer Urlaubsromanze wird, einen herausragenden, rebellischen Geistlichen und Playboy, dem – zumindest bis zu einem bestimmten Augenblick – eine Karriere in Vatikan winkt (in der titelgebenden Erzählung). Jeder dieser Helden ist ungeachtet seiner sozialen Herkunft oder seiner geistig-moralischen Qualitäten ein, um den Titel eines Romans von Rylski zu benutzen, „Mensch im Schatten“, eine gebrochene Gestalt, düster, aller Illusionen beraubt, ein definitiver Verlierer. Das soll aber nicht heißen, daß Rylski bei der Gestaltung der Personen schematisch verfährt; so ist es nicht.
Man beachte den sorgfältig durchdachten Aufbau des Bandes. Alle vier Erzählungen spielen am Meer: die erste und dritte an der Ostsee, die zweite und vierte am Mittelmeer (im Süden Frankreichs und auf der titelgebenden Insel vor der Nordküste Afrikas). In der ersten und dritten Erzählung ringen die Helden mit Gebilden ihrer eigenen Einbildung, in der zweiten und vierten haben wir es mit dem klassischen Verhältnis zu tun, das heißt mit einem Duell der Antagonisten. Die Helden von zwei Erzählungen sterben unter hochbedeutsamen, metaphorisch ausgedrückten Umständen, in den beiden anderen kommt es zu einem geheimnisvollen Rollentausch.
Rylski verführt einerseits durch deftige Handlungsmotive voller Überraschungen, mit fein dosierter Spannung und meisterhaft eingesetzten Täuschungsmanövern, und andererseits arrangiert er fesselnde Debatten, in denen es hart auf hart geht. Er möchte, daß wir sowohl seinen Einfallsreichtum beim Erfinden der Fabel als auch sein – wenn man so sagen darf – dramaturgisches Talent. Daß in den Erzählungen, die sich auf den Dialog stützen, die Handlung nicht zu kurz kommt, versteht sich von selbst. Das jüngste Buch von Eustachy Rylski ist in jeder Hinsicht gelungen.

- Darek Nowacki

Eustachy Rylski (geb. 1944) Schriftsteller, Theater- und Drehbuchautor. Nach langem Schweigen veröffentlichte er 2004 wieder einen Roman.

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