Wydawnictwo Sic!
Warszawa 2004
145 x 210
579 pages
hardcover
ISBN 83-88807-58-7
Translation rights: Sic!

Jarosław Marek Rymkiewicz

Słowacki. Eine Enzyklopädie


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Rymkiewicz erinnert ein wenig an Indiana Jones. Im Alltag ist er ein besonnener Professor am altehrwürdigen Institut für Literarische Studien (IBL) der Polnischen Akademie der Wissenschaften und ein feinsinniger elegischer Dichter. Und nur von Zeit zu Zeit wird er zum unermüdlichen und unerschrockenen Entdecker verschollener Schätze der Vergangenheit.
Dieses Mal sind Leben und Werk Juliusz Słowackis der Gegenstand seiner Ermittlungen. Über diesen Autor verfasste Rymkiewicz bereits vor gut anderthalb Jahrzehnten das Buch Juliusz Słowacki pyta o godzinę [Juliusz Słowacki fragt nach der Zeit]. Da es im neuen Buch um Słowacki geht, befinden wir uns mitten im Dickicht romantischer Symbole und Probleme. Es gibt Nebelschwaden, es gibt Tränen und Geister, aber es gibt auch die alles vergiftende Mutter, Spekulationen an der Börse, und es gibt die Frage, ob nach der Exhumierung der Gebeine des Dichters mit Słowackis Schädel auch sein Strumpf die letzte Ruhe auf dem Wawel fand.
Denn Rymkiewicz ist selbstverständlich gegenüber dem Protagonisten seiner Nachforschungen loyal und gibt dem Romantiker, was des Romantikers ist, den gesunden Menschenverstand vernachlässigt er jedoch nicht. Und in seinem Buch Słowacki. Eine Enzyklopädie mischt sich – wie im wirklichen Leben – alles recht befremdlich. Erhabenheit geht einher mit Vergnügen, und das idealisierte Bild der Geliebten prallt auf die Widrigkeiten, denen er sich als Mieter billiger Pensionszimmer ausgesetzt sieht.
Eben jener Ton, der Ernsthaftigkeit mit einem Augenzwinkern verbindet, bewirkt, dass man Rymkiewiczs neue Arbeit in einem Zug durchliest.
Bewundernswert sind Rymkiewiczs Behutsamkeit und Bedacht, die niemals in allzu große Selbstsicherheit umschlagen. Besonders gefällt mir das Einfühlungsvermögen des Autors gegenüber den beschriebenen Figuren.
Rymkiewiczs mönchische Arbeit besteht im Aufspüren von Kleinigkeiten und ihrer Rekonstruktion aus den Tiefen der Vergangenheit – fußend auf Wissen über die Epoche, auf Vermutungen, die auf psychologischer Wahrscheinlichkeit basieren, auf detektivistischer Deduktion, auf dem Zusammenfügen von Fakten, die scheinbar weit voneinander entfernt liegen und nichts miteinander gemein haben.
Der Intensivierung unablässiger Spannung während der Lektüre dient auch die Form bündiger Elementarteilchen-Kurzkapitel-Schlagwörter, aus denen die Gesamtheit des Buchs konstruiert ist. Ihre Kürze hält die Aufmerksamkeit des Lesers in unablässiger Bereitschaft und provoziert dazu, sie auf eigene Faust und nach den eigenen Vorstellungen zu einem Ganzen zusammenzufügen.
Es ist kein Geheimnis: Słowacki. Eine Enzyklopädie ist ein mitreißendes Werk wissenschaftlicher Präzision, geistvoller Inspiration und eines erlesenen Witzes.

Marcin Baran


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