Bieńkowski ist einer der eindringlichsten Beobachter der verworrenen Schicksale heutiger Polen. In seinem Debütroman Ist beschrieb er junge Menschen, die während des Kriegszustands, zu Beginn der 80er Jahre, aufwuchsen. In Nichts stellt der Autor – im Spiel mit dem klassischen Modell des realistischen Romans – die sozialen und gesellschaftlichen Veränderungen im Polen der 90er Jahre und zu Beginn des neuen Jahrhunderts dar. Bieńkowskis vielsträngiger Roman fügt sich aus der erlebten Rede mehrerer Figuren zusammen, die mit Erzählerkommentaren durchsetzt ist. Der Schriftsteller schuf so eine Galerie von Helden, die verschiedene Generationen, Milieus und Geisteshaltungen vertreten. Zu ihnen gehören Mitarbeiter der französischen Fastfood-Kette Positive, aber auch Musiker und ein Dichter aus der Warschauer Bohème. Die Haupthandlung des Romans Nichts zeichnet die Entwicklung des Positive-Imperiums in Polen nach. Bieńkowski porträtiert einen Kapitalismus mit unmenschlichem Antlitz, richtet die Aufmerksamkeit vor allem auf die Schicksale der Menschen, die zu willenlosen Rädchen in der Konzernmaschinerie werden, die einzig und allein auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist. Nichts ist jedoch nicht nur eine Anklage der großen Konzerne. Der Schriftsteller führt vor, bis zu welchem Grade der Übergang, bei dem die polnischen Gesellschaft nach 1989 durch die Mangel gedreht wurde, Menschen vernichtet, sie zur stufenweisen Preisgabe ihrer Träume und Ideale zwingt. Letztendlich bleibt ihnen einzig ein großes NICHTS, innere Leere, Abgestumpftheit gegenüber sich selbst, anderen und der Welt insgesamt.
Robert Ostaszewski
Dawid Bieńkowski (geb. 1963) – von der Ausbildung her Psychologe, arbeitet als Psychotherapeut. Sein Debütroman Jest [Es ist] (2001) erhielt zahlreiche Preise, darunter auch den Preis der Kościelski-Stiftung, der als wichtigster polnischer Literaturpreis für Autoren unter 40 Jahren gilt.
2008 wird das Buchinstitut mit einem Gemeinschaftsstand an folgenden Buchmessen vertreten sein: Paris (14.-19. März 2008), Bologna (31 März - 3 April 2008), London (14.-16. April 2008), Beijing (September 2008), Barcelona (Oktober...